Kritische Extremitätenischämie und Diabetes mellitus im Kontext: Revaskularisation oder Amputation?

Zusammenfassung

Eine weltweit hohe Inzidenz an Majoramputationen lassen Forderungen nach verbesserten Behandlungsstrategien laut werden, um die Rate an Majoramputationen zu verringern. Dabei sind mehr als 90 % der vorgenommenen Majoramputationen vasculärer und diabetischer Genese.

Die Dringlichkeit der Behandlungsbedürftigkeit der akuten und insbesondere der chronischen kritischen Ischämie wird dabei häufig unterschätzt. Die Ergebnisse gehen mit einer anhaltend hohen Morbidität und Mortalität einher. Gefäßmedizinische Zentren konnten hingegen in den letzten Dekaden durch aggressive Revaskularisierungsmaßnahmen eine deutliche Senkung der Amputationsrate bewirken. Deren Bestreben kommt in hohen Beinerhaltungsraten und Offenheitsraten zum Ausdruck. Es gilt heutzutage aber auch das Augenmerk primär auf das klinische Ergebnis und somit die Abheilung chronischer Ulzerationen, das amputationsfreie Überleben und die Lebensqualität der Betroffenen zu richten. In dieser Übersicht werden die klinischen Zeichen, diagnostische Maßnahmen und therapeutische Konzepte bei der chronischen kritischen Beinischämie unter besonderer Berücksichtigung der Diabetiker aufgezeigt. Die Entscheidung, zu revaskularisieren oder zu amputieren wird diskutiert. Dabei ist die Entscheidung individuell zu treffen und Risikofaktoren sowie Komorbiditäten zu berücksichtigen. Zahlreiche Studien belegen jedoch eine rasche und andauernde Verbesserung der Lebensqualität nach Revaskularisation. Eine Majoramputation ist nach gültiger Meinung bei eintretender Sepsis aufgrund chronischer Ulzerationen, ausgedehnten Nekrosen sowie bei bettlägerigen Patienten mit Kontrakturen und nicht beherrschbaren Ruheschmerzen indiziert. Hohes Alter stellt an sich keine Kontraindikation zur Revaskularisation dar.

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